Angeschwollene, dicke Beine sind schmerzhaft und unangenehm – und können sich zu einem chronischen Lymphstau entwickeln. Die Ursache dafür ist Lymphflüssigkeit, die sich im Gewebe ansammelt und nicht mehr abfließen kann. Die Gründe, aus denen dieses Phänomen auftritt, sind vielfältig – sie reichen von einer genetischen Vorbelastung bis hin zu schweren Unfällen. Bilden sich durch den Lymphstau fühl- und sichtbare Wassereinlagerungen, die die Beine anschwellen lassen, sprechen Experten von einem Lymphödem. Je nachdem, woraus der Lymphstau resultiert, unterscheiden Ärzte zwischen dem primären und dem sekundären Lymphödem. Auf Basis dieser Kategorisierung wird schließlich auch die Behandlung aufgebaut – denn nur mit einer dauerhaften und zielgerichteten Therapie kannst Du dem Lymphstau den Kampf ansagen!

Lymphstau: Primär oder sekundär?

Sobald Du vermehrte Wassereinlagerungen an Deinem Körper feststellst, solltest Du Dich zunächst als Ahnenforscherin versuchen: Gab es in Deiner Familie bereits Fälle von Lymphstau, litten Deine Mutter, Deine Oma oder ältere Generationen unter einem Lymphödem? Kannst Du diese Fragen mit „Ja“ beantworten, ist das ein erstes Anzeichen dafür, dass du unter einem primären Lymphödem leidest. Diese Form ist oft genetisch bedingt und wird vor allem im weiblichen Teil der Familie vererbt. Durch Veränderungen der Gefäße kann ein primärer Lymphstau aber auch spontan entstehen.

Frau untersucht ihre Beine Lymphstau kann schnell unangenehm werden

Er tritt in den meisten Fällen nur einseitig auf – symptomatisch sind die sogenannten Kastenzehen, also Wassereinlagerungen, die Deine Zehen anschwellen lassen. Vom Fuß aus wandert der Lymphstau in der Folge das Bein nach oben. Ein sekundäres Lymphödem hingegen entsteht meist im Bereich der Achseln oder Leisten und wandert dann körperabwärts. Die Füße sind nicht betroffen, der Lymphstau ist bei dieser Form immer nur einseitig. Ein sekundäres Lymphödem entsteht immer als Folge einer anderen Erkrankung beziehungsweise eines medizinischen Eingriffs. Entstehen kann der Lymphstau beispielsweise durch Operationen, bei denen Lymphknoten entfernt werden müssen, durch eine Strahlentherapie, in deren Folge die Gefäßwände verkleben, oder auch durch Unfälle. Beide Varianten des Lymphödems können Entzündungen oder gar Geschwüre hervorrufen – daher solltest Du schnell handeln, sobald Du erste Anzeichen eines Lymphstaus bemerkst.

Lymphstau muss dauerhaft behandelt werden

Der wichtigste Baustein einer erfolgreichen Lymphstau-Therapie ist die Kompressionsbehandlung. Zunächst wird Dein Arzt beziehungsweise Dein Physiotherapeut mit Verbänden gegen die überschüssige Flüssigkeit anarbeiten. In einem zweiten Schritt bekommst Du einen passenden Kompressionsstrumpf verschrieben, sofern die Beine bereits vom Lymphstau betroffen sind. Den Strumpf solltest Du wie normale Socken jeden Tag tragen. So kann die Flüssigkeit nicht mehr ungebremst in die betroffenen Bereiche fließen. Auch die manuelle Lymphdrainage kann den Lymphstau lindern – mit gezielten Massagegriffen wird die Gewebeflüssigkeit aus den betroffenen Bereichen „heraus massiert“. Mit speziellen Entwässerungsmitteln kann der Lymphstau, und somit auch das Lymphödem, zudem medikamentös behandelt werden – oft begleitend zur Kompressionsbehandlung, um deren Erfolg zu vergrößern. Wenn diese Therapieansätze bei Dir nicht zum erhofften Erfolg führen, kann der behandelnde Arzt auch eine Operation anstreben, mit der er den Fluss der Lymphflüssigkeit verbessern kann. Dazu erstellt er Verbindungen zwischen den Systemen von Gefäßen und Venen und gibt der Lymphe dadurch die Möglichkeit, besser und schneller abzufließen. Leider kann ein Lymphstau immer wieder auftreten, daher ist seine Behandlung langwierig und aufwendig – viele Betroffene müssen gar ihr Leben lang gegen die Flüssigkeitsansammlungen ankämpfen. Durch die verbesserten Kompressionsstrümpfe und effektive Massagen hast Du aber gute Chancen, dem Lymphstau ein Schnippchen zu schlagen.

Lymphstau durch die Pille?

Neben den angeborenen und medizinischen Ursachen für einen Lymphstau und ein Lymphödem stehen auch diverse Medikamente im Verdacht, die Flüssigkeitsansammlungen zu fördern – allen voran die Pille, die mit Östrogenen oder Gestagenen eigentlich der Empfängnisverhütung dienen soll. Der Zusammenhang zwischen diesen Hormonen und dem Lymphstau führt auch dazu, dass vor allem Frauen, die sich gerade in einem Hormonumschwung befinden, unter der Ansammlung von Lymphe leiden. Aus diesem Grund tritt ein Lymphstau vor allem in der Pubertät und in der Schwangerschaft – seltener auch während der Wechseljahre – auf. Wenn das Lymphstau-Risiko in Deiner Familie aufgrund der genetischen Begebenheiten erhöht ist und Du hormonell verhüten möchtest, solltest Du Deinem Frauenarzt unbedingt mitteilen, dass es in Deiner Familie bereits Fälle eines Lymphödems gegeben hat. Er kann Dir dann eine Pille verschreiben, bei der die Gefahr eines Lymphstaus nicht allzu hoch ist, Dich über Risiken aufklären oder Dir Alternativen zur Verhütung bieten.

Auch wenn ein Lymphstau eine unangenehme – und vor allem langwierige – Geschichte ist, musst Du keine Angst haben: Dank moderner Medizin ist ein Lymphödem weitaus weniger bedrohlich als noch vor ein paar Jahren. Damit es gar nicht erst zum Lymphstau kommt, solltest Du immer auf die Zeichen Deines Körpers achten – und im Zweifelsfall einen Arzt mit ins Boot holen!

Bildquelle: © Anatoly Tiplyashin / Dreamstime.com

Lymphstau: Was sagst Du Dazu?

Lymphstau: 1 Kommentar

Lymphstau wurde bereits 1 mal kommentiert. Alle Meinungen gibt's hier. Was sagst Du dazu?

applepie77

von: applepie77, am: 30.08.2013, 17:28h

oh! Meine Oma hat auch unter Lymphstau gelitten, ich sollte wohl vorsichtig sein und meine Beine ganz genau beobachten. Danke für den Hinweis!

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